Erfahren Sie, warum Sie schnell gereizt und aggressiv werden und was Sie dagegen tun können. In diesem Artikel zeigen wir Lösungsansätze und Tipps, die dabei helfen können, Aggressionen in den Griff zu bekommen.
Die Wut Coaches:
Dipl. Ing. Katrin Hoster
Wut Coach Merlin Faude
Dr. Med. Heidrun Schuler
Psychologe Ferdinand Kirchhof
Die Wut Coaches:
Dipl. Ing. Katrin Hoster
Wut Coach Merlin Faude
Dr. Med. Heidrun Schuler
Psychologe Ferdinand Kirchhof
Von 0 auf 180 in wenigen Sekunden. Ganz egal, ob es darum geht, wer die Spülmaschine einräumt oder um die Planung eines anstehenden Familientreffens. Kaum hat eine Diskussion begonnen, schon fahren sie hoch und es fliegen die Fetzen. So geht es vielen Menschen, die schnell aggressiv und gereizt werden. Vor allem bei Streitigkeiten in den eigenen vier Wänden können Kleinigkeiten dazu führen, dass Betroffene sich immer wieder mit ihrem Partner oder den eigenen Kindern in die Haare kriegen.
Das aggressive Verhalten kann sich auf verschiedenste Art und Weise zeigen. Meistens reagieren Betroffene mit verbalen Angriffen, passiver Aggression und in seltenen Fällen auch körperlicher Aggression, wenn sie provoziert werden (Repple et al., 2017). Die Themen der Streitigkeiten können Kleinigkeiten, wie Haushaltsaufgaben oder das Verhalten der anderen Familienmitglieder sein. Oftmals sind die Gründe für Konflikte eher banal. Trotzdem richten sie auf Dauer Schaden an. Wutausbrüche und heftiger Streit stören die Harmonie in der eigenen Familie und sind meistens für alle Beteiligten belastend (Carlson et al., 2023).
Hierzu erfahren Sie mehr in unserem Fachartikel “Was ist Aggression?”
Die Ursachen für aufbrausendes Verhalten können sowohl beim Aggressor selbst als auch in seinem Umfeld liegen. Manche Personen sind aufgrund ihrer Persönlichkeit oder ihres Emotionserlebens häufiger wütend als andere (Mill et al., 2018). Reizbarkeit, Ungeduld oder eine “kurze Zündschnur” können aber auch situationsabhängig sein. Hier finden Sie einige der häufigsten Ursachen:
Ein besonders impulsiver Charakter kann dazu führen, dass jemand häufiger sein Verhalten nach außen auslebt (Batum, & Yagmurlu, 2007). Im Volksmund werden Menschen, die sich aufgrund ihrer Persönlichkeit besonders konfrontativ verhalten, oftmals als “Hitzkopf” oder “Choleriker” bezeichnet.
Was genau ein Choleriker ist, finden Sie im Artikel “Was ist ein Choleriker?”
Bei vielen Personen kann dauerhafter Stress einen großen Einfluss auf das Verhalten haben (Schneiderman et al., 2005). Besonders wenn sie durch die Arbeit, familiäre Probleme oder andere Faktoren dauernd überlastet sind und es keine Möglichkeit gibt den Stress abzubauen. Es entsteht eine generelle Anspannung, welche dafür sorgt, dass sie empfindlich auf Provokationen von außen reagieren. Dies macht sich häufig in Situationen bemerkbar, die in keiner Verbindung mit der Ursache des Stresses stehen. Das aggressive Verhalten von Betroffenen bekommen daher häufig unbeteiligte Menschen im eigenen Umfeld zu spüren.
Traumata und besonders einschneidende Erfahrungen können dazu beitragen, dass Menschen in ihrem späteren Leben Probleme mit Aggressionen haben (Sarchiapone et al., 2009). Dabei wird angenommen, dass der Stress, der durch das Trauma ausgelöst wird, zu vermehrter Aggression führt (Bynion et al., 2018).
Erfahren Sie mehr über Wut und Stress im Wut-Coaches-Podcast!
Emotionen können einen starken Einfluss auf das Empfinden von Wut und Aggression haben. Das offene Zeigen von Wut hängt zum Beispiel häufig mit Gefühlen wie Enttäuschung, Ekel, Angst oder Traurigkeit zusammen (Mill et al., 2018). Die Fähigkeit, konstruktiv mit diesen Gefühlen umgehen zu können und diese zu kommunizieren, ist wichtig, um eine Verbesserung zu bewirken.
Hierzu erfahren Sie mehr in unserem Artikel “Aggressionsprobleme”!
Oftmals merken Menschen mit einer Tendenz zu plötzlichen Aggressionen, dass sie ein Problem haben, wenn ihre Liebsten sie darauf aufmerksam machen. Nach Wutausbrüchen kommt es häufig vor, dass Betroffene sich fragen, wie sie dazu fähig waren, oder wie sie ihren Kindern und ihrem Partner so etwas antun konnten. Sie wünschen sich eine Lösung für ihr Problem. Einige Lösungsansätze finden Sie hier:
Viele Menschen versuchen, durch Hausmittel ihre Aggressionen loszuwerden. Zu den klassischen Methoden, welche einige Personen versuchen, gehört das Schlagen auf weiche Gegenstände, Schreien im Auto oder aus Wut eine Sporteinheit hinzulegen. All diese Methoden können allerdings dazu führen, dass der gegenteilige Effekt eintritt und sich die Aggression langfristig steigert (Bushman et al., 2001; Bushman, 2002).
Für Leute mit einem echten Aggressionsproblem ist es empfehlenswert, nach langfristigen Lösungen zu suchen, die in echten Konflikten weiterhelfen können.
Mehr dazu finden Sie in unserem Artikel “Hausmittel gegen Aggressionen”!
Eine präzise Kommunikation kann einen großen Unterschied im Umgang miteinander ausmachen. Wer weiß, wie er seine Gefühle und Bedürfnisse angemessen ausdrücken kann, anstatt aggressiv zu werden, bei dem kommt es oft gar nicht dazu, dass sich ein ausgewachsenes Aggressionsproblem entwickelt - er kann seine Bedürfnisse nämlich viel effektiver an seine Umwelt vermitteln. Zu einer guten Kommunikation kann es gehören, Konflikte konstruktiv anzusprechen, Emotionen in die richtigen Worte zu verpacken und aktiv zuzuhören. Dabei hat sich gezeigt, dass das Kommunizieren von Enttäuschung, statt das Ausleben von Aggressionen zu mehr positiven Konsequenzen in der sozialen Kommunikation führt (Mill et al. 2018). Es können grobe Missverständnisse vermieden und die Beziehungen im eigenen Umfeld verbessert werden. Die richtige Kommunikation ist auch Bestandteil von Deeskalationstraining-Übungen, durch die der Gegenüber ebenfalls positiv auf aggressive Situationen einwirken kann.
Im Falle einer psychischen Krankheit, in der aggressives Verhalten auftritt, kommt durchaus eine therapeutische Behandlung infrage. Häufig kann für die Regulierung von Wut und Aggressionen aber auch ein Wut-Coaching sinnvoll sein.
Die Betroffenen können durch etwas Arbeit an sich selbst lernen, ihre Wut zu kontrollieren und sich in Konfrontationen konstruktiver zu verhalten. Diese Coachings, die sich ausschließlich auf den Bereich Wut und Aggression spezialisiert haben, vermitteln den Teilnehmern, wie sie ihre Emotionen besser kontrollieren und alternative Verhaltensmuster in ihren Alltag integrieren können.
Hierzu mehr in unserem Artikel “Aggressionstherapie”! Auch ein Besuch eines Anti-Aggressivitäts-Trainings kann in Betracht gezogen werden.
Die Unterstützung und das Bewusstsein des eigenen Partners und der eigenen Kinder kann zu einer langfristigen Besserung von aggressiven Verhaltensweisen beitragen. Eine große Rolle spielt hierbei, dass Betroffene die Initiative ergreifen und von sich aus auf ihre Liebsten zugehen. Durch das gemeinsame Gespräch über Alltagskonflikte kann sich ein Teil der Spannung legen und eine bessere Atmosphäre für gesündere Konflikte entstehen (Dahlen & Martin, 2005).
Eine der wichtigsten Maßnahmen ist es, die eigene Wut und Aggression als problematisch zu erkennen und sie zu verstehen. Es ist wichtig, sich mit dem eigenen Verhalten und den Folgen von Aggressionsanfällen auseinanderzusetzen. Zudem kann es hilfreich sein, sich über die möglichen Auslöser und Ursachen bewusst zu werden und zu verstehen, an welchen Stellen im Leben sich diese wiederholen. Diese Erkenntnis kann es Menschen mit Aggressionsproblemen erst ermöglichen, am eigenen Verhalten zu arbeiten.
Lernen Sie mehr über die Ursachen von Aggression im Wut-Coaches-Podcast!
Batum, P., & Yagmurlu, B. (2007). What counts in externalizing behaviors? The contributions of emotion and behavior regulation. Current Psychology, 25, 272-294. https://doi.org/10.1007/BF02915236
Bushman, B. J. (2002). Does Venting Anger Feed or Extinguish the Flame? Catharsis, Rumination, Distraction, Anger, and Aggressive Responding. Personality and Social Psychology Bulletin, 28(6), 724–731. https://doi.org/10.1177/0146167202289002
Bushman, B. J., Baumeister, R. F., & Phillips, C. M. (2001). Do People Aggress to Improve Their Mood? Catharsis Beliefs, Affect Regulation Opportunity, and Aggressive Responding. Journal of Personality and Social Psychology, 81, 17-32. https://doi.org/10.1037/0022-3514.81.1.17
Bynion, T. M., Cloutier, R., Blumenthal, H., Mischel, E. R., Rojas, S. M., & Leen-Feldner, E. W. (2018). Violent interpersonal trauma predicts aggressive thoughts and behaviors towards self and others: findings from the National Comorbidity Survey-Adolescent Supplement. Soc Psychiatry Psychiatr Epidemiol, 53, 1361–1370. https://doi.org/10.1007/s00127-018-1607-x
Carlson, G. A., Singh, M. K., Amaya-Jackson, L., Benton, T. D., Althoff, R. R., Bellonci, C., Bostic, B. Q., Chua, J. D., Findling, R. L., Galanter, C. A., Gerson, R. S., Sorter, M. T., Stringaris, A., Waxmonsky, J. G., & McClellan, J. M. (2023). Narrative review: impairing emotional outbursts: what they are and what we should do about them. Journal of the American Academy of Child & Adolescent Psychiatry, 62(2), 135-150. https://doi.org/10.1016/j.jaac.2022.03.014
Dahlen, E. R., & Martin, R. C. (2005). The experience, expression, and control of anger in perceived social support. Personality and Individual Differences, 39, 391-401. https://doi.org/10.1016/j.paid.2005.01.019
Mill, A., Kööts-Ausmees, L., Allik, J., & Realo, A. (2018). The role of co-occurring emotions and personality traits in anger expression. Frontiers in psychology, 9, 123. https://doi.org/10.3389/fpsyg.2018.00123
Repple, J., Pawliczek, C.M., Voss, B., Siegel, S., Schneider, F., Kohn, N., & Habel, U. (2017). From provocation to aggression: the neural network. BMC Neurosci 18(73), 1-9. https://doi.org/10.1186/s12868-017-0390-z
Sarchiapone, M., Carli, V., Cuomo, C., Marchetti, M., & Roy, A. (2009). Association between childhood trauma and aggression in male prisoners. Psychiatry research, 165(1-2), 187-192. https://doi.org/10.1016/j.psychres.2008.04.026
Schneiderman, N., Ironson, G., & Siegel, S. D. (2005). Stress and Health: Psychological, Behavioral, and Biological Determinants. Annual Review of Clinical Psychology, 1, 607-628. https://doi.org/10.1146/annurev.clinpsy.1.102803.144141
Katrin Hoster ist zertifizierte NLPlerin, Headcoach und einer der beiden Gründer der Wut Coaches. Als erfahrener Coach im Bereich Aggressionsbewältigung hat sie sich seit 2018 voll und ganz auf das Thema Wut und Aggression spezialisiert und kann auf einen großen Erfahrungsschatz mit mehreren 1000 Wut- und Aggressionsklienten zurück blicken.
Ferdinand Kirchhof ist Psychologe (M.Sc.). Er arbeitet bei den Wut Coaches als psychologischer und wissenschaftlicher Berater und seine Expertise fließt sowohl in unser Coaching als auch in unsere Veröffentlichungen. Er ist der Co-Autor dieses Artikels, zusammen mit Katrin Hoster als Autorin.
Kerstin Bickert ist Psychologin (B.Sc.) und Sozialpädagogin (B.A.). Sie arbeitet bei den Wut Coaches als psychologische und wissenschaftliche Beraterin und ihre Expertise fließt sowohl in unser Coaching als auch in unsere Veröffentlichungen. Sie ist die Autorin dieses Artikels, zusammen mit Katrin Hoster als Co-Autorin.