Erfahren Sie hier, was man unter primären und sekundären Emotionen versteht und wie diese sich unterscheiden.
Die Wut Coaches:
Coaches, Trainer,
Psychologen, Ärzte,
Therapeuten & Pädagogen.
Die Wut Coaches:
Coaches, Trainer,
Psychologen, Ärzte,
Therapeuten & Pädagogen.
Wir möchten Ihnen zu Beginn folgende Situation schildern (in Anlehnung an Walz, o.J.): Versetzen wir uns in diesem Beispiel in die Schulzeit zurück. Stellen Sie sich eine Klasse vor, in der die schwächeren Kinder immer wieder von den stärkeren bloßgestellt wurden. Einer dieser schwächeren Schüler wurde also immer wieder vor der ganzen Klasse ausgelacht und gedemütigt. Dieser Schüler erlebte die primäre Emotion der Scham. Im Laufe der Zeit lernte er jedoch, sich vor solchen Angriffen zu schützen: Indem er sich besonders bedrohlich und aggressiv verhielt. Wut wurde seine sekundäre Emotion. Heute ist dieser Schüler erwachsen. Bei der geringsten Kritik wird bei ihm die Emotion Scham ausgelöst. Sie wird aber sofort von der sekundären Emotion Wut überlagert. Scham wird also nicht empfunden. Deshalb kommt es heutzutage oft zu unkontrollierten Wutausbrüchen.
Bei Wut- und Aggressionsproblemen ist es oft sinnvoll, zwischen primären und sekundären Emotionen zu unterscheiden. Hier kann nämlich ein auslösender Faktor für eine emotionale Dysregulation liegen. Aber was ist der Unterschied zwischen Emotion und Gefühl? Gefühle beziehen sich auf die subjektive Seite einer Emotion. Emotionen sind komplexer und umfassen subjektive und objektive Faktoren sowie neuronale und hormonelle Systeme.
In der Lerngeschichte findet häufig eine emotionale Konditionierung statt. Dabei wird ein Reiz (z.B. Kritik, Überforderung oder Einsamkeit), ein frustriertes Bedürfnis (z.B. Selbstwert, Kontrolle oder Bindung) mit einer bestimmten Emotion (z.B. Scham, Unsicherheit oder Angst) verknüpft (Lammers, 2016). Wird die primäre Emotion als unerträglich oder bedrohlich erlebt, kann sich daraus ein emotionales Muster entwickeln (Greenberg, 2006). Hier spielt häufig auch die gesellschaftliche Akzeptanz einer Emotion eine Rolle. So ist das Zeigen von Wut bei Männern häufig gesellschaftlich tolerierter als bei Frauen. Bei Frauen ist das Zeigen von Traurigkeit tolerierter als bei Männern. Dies kann Einfluss darauf haben, ob die primäre Emotion gezeigt wird oder vermieden wird (Santiago-Menendez & Campbell, 2013).
Die Wahrnehmung der primären Emotion als unerträglich erfolgt also aufgrund von Erfahrungen in der Lerngeschichte. Das Selbst wird dann häufig insgesamt negativ bewertet. Entsprechende Kognitionen und Verhaltensweisen sind die Folge (Lammers & Berking, 2008). Um die primären Emotionen nicht erleben zu müssen, werden sie vermieden und bekämpft (Lammers, 2016). Beispielsweise werden Schamgefühle mit Wut bekämpft. Primäre Emotionen werden oft nicht bewusst wahrgenommen. Unmittelbar nach ihrem Auftreten werden sie von sekundären Emotionen überlagert. Auf die sekundären Emotionen gehen wir im nächsten Abschnitt ein. Im Folgenden werden jedoch zunächst die häufigsten primären Emotionen in einer Liste zusammengefasst.
Beispiele für negative Emotionen:
Beispiele für positive Emotionen:
Das Vermeiden oder Bekämpfen der primären Emotion ist eine Bewältigungsstrategie. Sekundäre Emotionen sind Teil dieser Copingstrategie (Lammers, 2016). Im Beispiel wurde die Scham durch Wut überlagert. Der Ärger ist dann die sekundäre Emotion. Hier steht im Vordergrund, dass die primäre Emotion mithilfe der sekundären Emotion nicht gefühlt werden muss (Lammers & Berking, 2008). Man kann hier auch von einer Emotionsphobie sprechen (McCullough et al., 2003). Die Vermeidung des emotionalen Erlebens von Problemen führt jedoch häufig zu einer negativen Entwicklung dieser Probleme (Hayes et al., 1996).
In der Lerngeschichte findet häufig eine emotionale Konditionierung statt. Dabei wird ein Reiz (z.B. Kritik, Überforderung oder Einsamkeit), ein frustriertes Bedürfnis (z.B. Selbstwert, Kontrolle oder Bindung) mit einer bestimmten Emotion (z.B. Scham, Unsicherheit oder Angst) verknüpft (Lammers, 2016). Wird die primäre Emotion als unerträglich oder bedrohlich erlebt, kann sich daraus ein emotionales Muster entwickeln (Greenberg, 2006). Hier spielt häufig auch die gesellschaftliche Akzeptanz einer Emotion eine Rolle. So ist das Zeigen von Wut bei Männern häufig gesellschaftlich tolerierter als bei Frauen. Bei Frauen ist das Zeigen von Traurigkeit tolerierter als bei Männern. Dies kann Einfluss darauf haben, ob die primäre Emotion gezeigt wird oder vermieden wird (Santiago-Menendez & Campbell, 2013).
Die Wahrnehmung der primären Emotion als unerträglich erfolgt also aufgrund von Erfahrungen in der Lerngeschichte. Das Selbst wird dann häufig insgesamt negativ bewertet. Entsprechende Kognitionen und Verhaltensweisen sind die Folge (Lammers & Berking, 2008). Um die primären Emotionen nicht erleben zu müssen, werden sie vermieden und bekämpft (Lammers, 2016). Beispielsweise werden Schamgefühle mit Wut bekämpft. Primäre Emotionen werden oft nicht bewusst wahrgenommen. Unmittelbar nach ihrem Auftreten werden sie von sekundären Emotionen überlagert. Auf die sekundären Emotionen gehen wir im nächsten Abschnitt ein. Im Folgenden werden jedoch zunächst die häufigsten primären Emotionen in einer Liste zusammengefasst.
Beispiele für negative Emotionen:
Beispiele für positive Emotionen:
Das Vermeiden oder Bekämpfen der primären Emotion ist eine Bewältigungsstrategie. Sekundäre Emotionen sind Teil dieser Copingstrategie (Lammers, 2016). Im Beispiel wurde die Scham durch Wut überlagert. Der Ärger ist dann die sekundäre Emotion. Hier steht im Vordergrund, dass die primäre Emotion mithilfe der sekundären Emotion nicht gefühlt werden muss (Lammers & Berking, 2008). Man kann hier auch von einer Emotionsphobie sprechen (McCullough et al., 2003). Die Vermeidung des emotionalen Erlebens von Problemen führt jedoch häufig zu einer negativen Entwicklung dieser Probleme (Hayes et al., 1996).
Eismann, G., & Lemmers, C. H. (2017). Therapie-Tools Emotionsregulation. Beltz.
Greenberg L.S. (2006). Emotionsfokussierte Therapie. Tübingen: DGVT
Hayes, S. C., Wilson, K. G., Gifford, E. V., Follette, V. M., & Strosahl, K. (1996). Experiential avoidance and behavioral disorders: A functional dimensional approach to diagnosis and treatment. Journal of Consulting and Clinical Psychology, 64(6), 1152–1168. https://doi.org/10.1037/0022-006X.64.6.1152.
Lammers, C. H. (2016). Emotionsbezogene Techniken in der Psychotherapie. DNP-Der Neurologe und Psychiater, 17(10), 30-37. https://doi.org/10.1007/s15202-016-1057-9.
Lammers, C. H., & Berking, M. (2008). Emotionsbezogene therapeutische Techniken zur Behandlung von psychischen Erkrankungen. Journal für Neurologie, Neurochirurgie und Psychiatrie, 9(4), 30-34.
McCullough, L., Kuhn, N., Andrews, S., Kaplan, A., Wolf, J., & Hurley, C. L. (2003). Treating affect phobia: A manual for short-term dynamic psychotherapy. Guilford Press.
Santiago-Menendez, M., & Campbell, A. (2013). Sadness and anger: Boys, girls, and crying in adolescence. Psychology of Men & Masculinity, 14(4), 400–410. https://doi.org/10.1037/a0030661.
Walz, D. (o.J.). Ordnung im Gefühlswirrwarr, Teil 4: primäre und sekundäre Emotionen. Abgerufen am 10. April 2024 auf: https://www.daniel-walz.de/ordnung-im-gefuehlswirrwarr-teil-4-primaere-und-sekundaere-emotionen/.
Katrin Hoster ist zertifizierte NLPlerin, Headcoach und einer der beiden Gründer der Wut Coaches. Als erfahrener Coach im Bereich Aggressionsbewältigung hat sie sich seit 2018 voll und ganz auf das Thema Wut und Aggression spezialisiert und kann auf einen großen Erfahrungsschatz mit mehreren 1000 Wut- und Aggressionsklienten zurück blicken.
Ferdinand Kirchhof ist Psychologe (M.Sc.). Er arbeitet bei den Wut Coaches als psychologischer und wissenschaftlicher Berater und seine Expertise fließt sowohl in unser Coaching als auch in unsere Veröffentlichungen. Er ist der Co-Autor dieses Artikels, zusammen mit Katrin Hoster als Autorin.
Kerstin Bickert ist Psychologin (B.Sc.) und Sozialpädagogin (B.A.). Sie arbeitet bei den Wut Coaches als psychologische und wissenschaftliche Beraterin und ihre Expertise fließt sowohl in unser Coaching als auch in unsere Veröffentlichungen. Sie ist die Autorin dieses Artikels, zusammen mit Katrin Hoster als Co-Autorin.